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Es tut sich was
Die ökonomischen Auswirkungen des TSVG

Es tut sich was

Die physiotherapeutische Landschaft ändert sich gerade enorm. Mit Inkrafttreten des TSVG sollen in den Heilmittelberufen für die Behandlung bundeseinheitliche Preise eingeführt werden. Dafür mussten allerdings erst einmal die Behandlungspreise auf ein bundeseinheitliches Niveau gehoben werden, was zum 1. Juli 2019 erfolgte. Ein aktueller Lohnvergleich der Steuerberatungsgesellschaft ETL ADVISION dokumentiert nochmals die Unterschiede.

Nächstes Jahr sollen dann ausgehend von diesem einen Niveau die Behandlungspreise neu mit den gesetzlichen Krankenkassen verhandelt werden. Das Sammeln wirtschaftlicher Daten wird also immer wichtiger, auch für die Heilberufe. Erste Untersuchungen gibt es bereits: PhysioPraX 2.0 basiert auf einer Auswertung des Jahres 2016 und wurde Anfang Juli der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieses Wirtschaftlichkeitsgutachten (wir berichten auf Seite 24) wurde zum ersten Mal von drei Berufsverbänden in der Physiotherapie gemeinsam getragen unter der Leitung von Professor Neubauer, Institut für Gesundheitsökonomik (IfG).

Auf dem Forum Physiotherapie Süd des IFK (wir berichten auf Seite 22) stellte Michael Reinhard vom ifo-Institut erneut unternehmerische Zahlen und Entwicklungen vor und der Verband rief auf, ab September 2019 bei einer erneuten Er hebung der unternehmerischen Kennzahlen mitzuwirken. Denn diese Zahlen sind für die Verhandlungen im nächsten Jahr äußerst wichtig.

In der Vergangenheit traten immer wieder die massiven Unterschiede der einzelnen Bundesländer zutage.

Das wirkt sich wiederum auf den Lohn aus, den Praxisinhaber ihren angestellten Therapeuten zahlen können. Im Mai 2019 veröffentlichte die Steuerberatungsgesellschaft ETL ADVISION einen Lohn vergleich der Jahre 2017 mit 2018.

THERA-BIZ sprach mit Christoph Soldanski, Experte für Heilmittel bei der ETL ADVISION, über die derzeitige Entwicklung.

THERA-BIZ: Herr Soldanski, Sie haben einen Lohnvergleich für Heilmittel erbringer 2018 veröffentlicht (siehe Tabelle auf Seite 75). Wann geschah dies und auf welchen Daten basieren die Ergebnisse?

Christoph Soldanski: Der Lohnvergleich wurde Ende Mai 2019 von ETL ADVISION veröffentlicht. Er vergleicht im Bereich Physiotherapie das Jahr 2018 mit dem Vorjahr 2017. In den anderen Heilmittelbereichen haben wir die Zahlen zum ersten Mal betrachtet. Der Lohn wurde als Stunden-Bruttolohn inklusive Zulagen wie vermögenswirksame Leistungen, Zuschläge, Sachbezüge, pauschal versteuerte Lohnbestandteile ausgewertet. Die über 53.000 verarbeiteten Datensätze basieren auf den Lohnabrechnungen unserer Steuerberater für deren Heilmittel-Mandanten und sind somit verlässlich und nachweisbar.

THERA-BIZ: Welche Rückschlüsse ziehen Sie für die Physiotherapeuten da raus?

Christoph Soldanski: Zunächst einmal hat sich der bundesweit durchschnittliche Stunden-Bruttolohn bei Physiotherapeuten von 13,90 Euro im Jahr 2017 auf 14,69 Euro im Jahr 2018 entwickelt. Das ist eine Steigerung von 5,7 Prozent. Im Bereich der Logopädie lag der Stunden-Bruttolohn mit 15,70 Euro darüber – in der Ergotherapie mit 13,66 Euro darunter. Bleibt man innerhalb der Physiotherapie und schaut sich die einzelnen Bundesländer genau an, erkennt man deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Hier stehen 15,88 Euro im Westen nur 12,54 Euro im Osten gegenüber. Das relativiert den Bundesdurchschnitt als alleinige Kennziffer und verdeutlicht die weiterhin regionalen Differenzen. Idealerweise kann der Steuerberater sogar einen regionalen Vergleich im Benchmarking liefern.

THERA-BIZ: Welche Auswirkungen wird nun das TSVG haben?

Christoph Soldanski: Sie sprechen das bundesweit einheitliche Preisniveau an. In den Regionen, in denen dies eine deutliche Erhöhung der Praxiseinnahmen bedeutet, wird sich in der Folge das monatliche Praxisergebnis verändern. Bekanntlich sind im Ausgabenbereich einer Praxis die Personalkosten der größte Kostenfaktor. Insoweit wird es spannend zu beobachten, ob, ab wann und in welcher Höhe die Mehreinnahmen sich auf die Lohngestaltung auswirken werden, mit einer spürbaren Änderung auf der Kostenseite. Hier sind auch unsere Steuerberater gefragt, die anhand der BWA ihre Mandanten beraten.

THERA-BIZ: Die einheitlichen Vergütungen gehen jedoch nicht auf die sehr unterschiedlichen Lebenshaltungskosten ein? Sehen Sie hierin ein Problem?

Christoph Soldanski: Das ist aus meiner Sicht ein wichtiger Aspekt. Schließlich machen diese privaten Konsumausgaben durchschnittlich knapp 68 Prozent des Einkommens aus. Sie sind laut dem Statistischen Bundesamt gerade nicht überall gleich. So liegen unter den Bundesländern große Unterschiede vor, aber auch zwischen Stadt und Land und sogar innerhalb von Großstädten gibt es erhebliche Abweichungen zum Durchschnitt. Leicht nachvollziehbar sind beispielsweise die enormen Unterschiede bei den Wohnkosten. In München liegen demnach die allgemeinen Lebenshaltungskosten 44 Prozent höher als durchschnittlich, in Chemnitz dagegen 21 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

THERA-BIZ: Welche Konsequenzen hat das?

Christoph Soldanski: Ich kann mir gut vorstellen, dass die Praxisinhaber als Arbeitgeber sich verstärkt den ändernden Gehaltsansprüchen der Mitarbeiter stellen müssen, wenn sie diesen weiterhin als zufriedenen Mitarbeiter halten wollen. Abgesehen von seinen eigenen Ansprüchen am Unternehmerlohn. Damit ist auch sein Steuerberater in der Beratung gefragt, was wirtschaftlich für die Praxis noch gesund und vertretbar ist.

THERA-BIZ: Der Fachkräftemangel hat zur Folge, dass Praxisinhaber untereinander um einen Stellenbewerber in den Wettbewerb treten. Was muss ein Unternehmer Ihrer Meinung nach anbieten, um im Markt eine Chance zu haben?

Christoph Soldanski: Aus meiner Sicht ist es für den Praxisinhaber mehr denn je wichtig, sich von den Wettbewerbern zu unterscheiden und sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.

THERA-BIZ: Welche Lösungsansätze gibt es, sich so dem Arbeitnehmer gegenüber darzustellen?

Christoph Soldanski: Einerseits könnten zum Beispiel lukrative Praxisangebote für den Praxiskunden gleichzeitig für den Mitarbeiter interessant sein, um aus dem 20-Minuten-Behandlungstrott zu kommen. Stichwort: Leistungsangebot außerhalb der GKV. Durch eine attraktive Provisionsvereinbarung könnte dies dann auch finanziell reizvoll für den Mitarbeiter sein. Zudem muss die Barlohnvereinbarung nicht zwangsläufig die alleinige Entlohnung des Mitarbeiters bedeuten. Durch andere Vergütungsformen wie Sachleistungen können Arbeitgeber ebenfalls Wertschätzung zeigen und damit ihre Attraktivität steigern. Dabei haben viele Sachleistungen sogar Vorteile für beide Seiten. 

THERA-BIZ: Sachleistungen dienen in der Regel der Lohnkostenoptimierung. An was denken Sie dabei?

Christoph Soldanski: Hierfür hat der Gesetzgeber eine Reihe von Möglichkeiten eingeräumt, Arbeitnehmern Zahlungen und Sachleistungen zu gewähren, die steuerbegünstigt beziehungsweise steuerfrei und beitragsfrei in der Sozialversicherung sind. Damit bindet der Arbeitgeber nicht nur den Mitarbeiter an die Praxis, sondern er hat die Möglichkeit, so genauso Lohnnebenkosten zu sparen. Gutscheine, Erholungsbeihilfen, Übernahme von Kindergartenbeiträgen sind nur einige Beispiele. 

Auch ein Firmenhandy, das der Mitarbeiter privat nutzen kann, ist ein lukrativer Lohnbestandteil. Ganz aktuell ist das Thema „Firmenfahrrad“, welches der Gesetzgeber seit 2019 besonders fördert. Um diese Möglichkeiten richtig auszuschöpfen, ist ein Gespräch mit dem Steuerberater immer sinnvoll. Er zeigt dem Praxisinhaber gegebenenfalls anhand von konkreten Beispielen die Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf.

THERA-BIZ: In den zukünftigen Verhandlungen zwischen GKV-Spitzenverband und SHV sollen auch Personal- und Sachkosten der Praxen und sonstige Kosten für den Praxisbetrieb einfließen. Wie sehen Sie das? Wie wird sich das auswirken?

Christoph Soldanski: Bisher war in den Gebührenverhandlungen die Grundlohnsumme – also die Einnahmenentwicklung bei den Kostenträgern – die Messlatte und gleichzeitig Begrenzung für die Gebührenerhöhungen. Bei Privatpatienten musste die Praxis dagegen schon immer die Betriebskosten für die Preisfindung berücksichtigen, d.h. unternehmerisch verantwortlich kalkulieren. Für mich ist dies der richtige Ansatz, um auch einen unternehmerisch gesunden Preis für die Leistungen im GKV-Bereich zu erhalten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Reinhild Karasek.

TIPP: Der GKV-Spitzenverband und die Heilmittelverbände haben sich nach § 125b SGB V auf die höchs ten geltenden Heilmittelpreise je Position verständigt. Die Preise nach § 125b SGB V sind als aktuelle Preisliste der Verträge nach § 125 Abs. 2 SGB V (a.F.) anzusehen.www.gkv-heilmittel.de



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